Dietmar Hopp Stiftung

„Coolness-Training®“ in der Wilhelm-Busch-Schule in Mannheim

Link zum Artikel der Dietmar Hopp Stiftung

Die Kinder und Jugendlichen welche die Wilhelm-Busch-Schule besuchen wohnen überwiegend in der Neckarstadt, Mannheims größtem Stadtteil, der sich über Jahre hinweg von einem sogenannten Arbeiterviertel hin zu einem teilweise sozialen Brennpunkt mit Menschen aus vielen Nationen entwickelt hat. Drogen, Kriminalität, Prostitution, hohe Arbeitslosigkeit und prekäre Wohnsituationen sind Probleme, vor allem in der Neckarstadt-West, die immer wieder in den Fokus rücken.

Acht von zehn Schülern stammen aus dem Ausland (vor allem aus Süd-Ost-Europa) und während des Schuljahres kommen ständig neue hinzu. Daraus resultieren in der Regel umfassende und lang andauernde Lernprobleme und Entwicklungsverzögerungen. Sprachprobleme, mangelnde Konzentrationsfähigkeit und Unterrichtsstörungen sind auffällig. Konflikte, Streitereien und Gewalt sind Folgen, mit denen wir uns fast täglich auseinandersetzen müssen.

Konsens besteht in unserer Schule darin, dass niemand das Recht hat, andere auszugrenzen, zu beleidigen oder zu verletzen. Unser Ziel ist es, die individuellen Entwicklungen unserer Schüler/-innen zu fördern, ihre Persönlichkeit zu stärken und friedlich und respektvoll miteinander umzugehen. Wir möchten unsere Kinder und Jugendlichen ernst nehmen, das heißt aber auch ihnen Grenzen zu setzen.

Das Wichtigste ist dabei eine gemeinsame pädagogische Haltung und ein schulischer Rahmen, der eine klare normative Orientierung bietet. Deshalb haben wir uns für einen pädagogischen Handlungsstil entschieden, der Hintergründe und Umstände von Regel- und Normverletzungen beleuchtet, die Taten selbst aber in keiner Weise duldet. Dieser Handlungsstil nennt sich „konfrontative Pädagogik“. Bei „klarer Linie mit Herz“ hat die Selbstverantwortung unserer Schülerinnen und Schüler im Rahmen ihrer individuellen Möglichkeiten eine zentrale Bedeutung. Grenzen ziehen und konfrontieren mit dem eigenen Handeln heißt für uns auch, mit ihnen neue alternative Verhaltensweisen auf der Basis von gegenseitigem Respekt zu trainieren.

Durch die großzügige Unterstützung der DIETMAR-HOPP-STIFTUNG konnten wir es ermöglichen, ein „Coolness-Training®“ an unserer Schule durchzuführen. In Kooperation mit dem Unternehmen Cool Double XX (Dienstleister im Bereich Gewaltprävention und in den ambulanten Hilfen) trainierten wir über die Zeitdauer von einem halben Jahr mit den Klassen 5 und 6 erlernte negative Verhaltensmuster mehr und mehr zu verändern und zu verbessern. Wir befassten uns mit Gewaltursachen und Auslösern, um gewalttätiges Verhalten zu analysieren. Durch viele Methoden, Übungen und Rollen/-Spiele konnten wir ausprobieren, wie wichtig Regeln sind, was Gewalt ist, wie sie erlebt wird, wo Spaß beginnt und wo Spaß aufhört.

 Zu unseren Leitzielen gehört, dass sich die Schülerinnen und Schüler in unserer Schule sicher, mutig und couragiert bewegen können. Sie sollen ihren Fähigkeiten und Stärken vertrauen, um selbstbewusst ihre eigenen Bedürfnisse zu äußern und „Nein“ sagen dürfen. Das „Coolness-Training®“ war hierzu ein erster wichtiger Schritt. Wir planen weitere soziale Trainingskurse auf der Basis der konfrontativen Pädagogik und arbeiten kontinuierlich intensiv an der Verbesserung unseres Schulklimas. Dabei orientieren wir uns an den Schulregeln „friedlich, freundlich, langsam, leise. Respekt vor allen und jedem“.